Illustration trifft Modefotografie – Tina Berning im Interview

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 26.10.2010 auf globe-m

Die Ausstellung FACE/project der Künstler Tina Berning und Michelangelo Di Battista in der Galerie Camerawork, die diese Woche enden sollte, wurde um einen Monat, also bis zum bis zum 20. November 2010, verlängert. Grund genug, einmal genauer hinzusehen und mit Tina Berning über das Projekt zu sprechen.

Tina Berning ist eine international gefeierte Illustratorin, Michelangelo Di Battista ein ebenso bekannter Modefotograf. Die beiden lernten sich bei einem Shooting für Vogue Italia kennen und entdeckten die synergetischen Kräfte zwischen ihren Arbeitswelten. Seitdem bilden sie ein Künstlerpaar, das Schönheit und die Frau als Objekt der Kunst in den Mittelpunkt stellt. Die in der Austellung gezeigten Unikate verschmelzen auf einzigartige Weise Zeichnung, Modefotografie, Illustration und Malerei miteinander.Globe-M stellte Tina Berning einige Fragen zum Werk.

Globe-M: Wie kamen Sie zum (Mode-) Illustrieren?
Tina Berning:
Mode ist einer der klassischen Bereiche der Illustration und für mich einer der liebsten. Dabei interessiert mich das Spiel von Form, Volumen und Linie als Zeichner genauso, wie es einen Modedesigner interessiert.

Globe-M: Sie lernten Michelangelo Di Battista bei Arbeiten für die Vogue Italia kennen, wie darf man sich das erste Zusammentreffen vorstellen?
Tina Berning:
Wir hatten sozusagen ein Blind Date verabredet, eine Beauty-Strecke für die italienische Vogue zu fotografieren, ohne uns vorher zu kennen. Natürlich kannten und schätzten wir jeweils die Arbeit des anderen und hatten großen Spass daran, unsere Fähigkeiten zu verbinden.

Globe-M: Woran merkten Sie, dass sich Ihre Arbeitstechniken ergänzen und gemeinsam etwas Neues entstehen kann?
Tina Berning:
Es sind mehr unsere Herangehensweise und ästhetische Grundidee, die sich ergänzen, als nur die Techniken. Theoretisch kann man immer die Arbeit zweier Menschen  verknüpfen, etwas Neues entsteht aber nur, wenn beide bereit sind, sich auf den anderen einzulassen. Bei uns hat das von Anfang an geklappt.

Globe-M: Womit arbeiten Sie, wie entstehen die Collagen, was ist Ihre Herangehensweise? 
Tina Berning:
Für FACE/project habe ich Fotos der abgebildeten Frauen studiert, Skizzen angefertigt, um ihre wesentlichen Gesichtszüge zu verstehen. Zeichnen ist für mich, Sehen zu verstehen. Aus diesen Skizzen konnte ich für jedes Bild Elemente, Details und Applikationen generieren, die ich anschließend assoziativ an den Fotos angebracht habe.

Globe-M: Geht es nur um Frauen?
Tina Berning: Bei FACE/project geht es um das Bild der Frau. Generiert von der Mode und Lifestyle-Industrie sind wir in der Regel mit einem sehr manipuliertem Bild der Frau konfrontiert. Sowohl Michelangelo als auch ich sind als Fotograf und Illustratorin Teil genau dieser Industrie und versuchen von Innen heraus die Schönheitsideale zu hinterfragen.

Globe-M:
Die Verschmelzung von Fotographie und Illustration, dieser Bruch in den Bildern, was soll das ausdrücken?
Tina Berning: Auf Portraits von Frauen, die als Models auch wiederum Teil der Modeindustrie sind, hinterlasse ich Kommentare, kleine Korrekturen, Änderungen, die den Blick schärfen und die Wahrnehmung erfrischen können. Diese Korrekturen sind analog angebracht, die Perfektion der Oberfläche wird gestört, zerkratzt, bekritzelt, beklebt. Die glatte Perfektion der Gesichter wird hinterfragt und plötzlich ercheint nicht nur das Model, sondern eine Frau.

Globe-M:
Was war für Sie die größte Ehre in Ihrer beruflichen Laufbahn?
Tina Berning: Oh, definitiv diese und all meine letzten Ausstellungen, und das sie auf so großes Interesse gestoßen sind. Als Illustratorin arbeite ich im Auftrag, als Künstlerin arbeite ich frei. Diese beiden Welten zu verbinden ist ein großes Privileg.

Globe-M: Sehen Sie sich eher in der Kunst- oder in der Modebranche?
Tina Berning: Als Illustratorin bin ich nicht nur auf Mode fixiert, sondern mache beispielsweise auch Portraits für die New York Times oder Horoskope für Frauenzeitschriften. Die Frage ist, eher als angewandte Illustratorin oder Künstlerin und da sehe ich mich in beiden Branchen vertreten.

Globe-M: Wo kommt die Mode her?
Tina Berning: Die Mode ist das ewige Spiel von Form, Volumen und Linie.

Globe-M: Wo geht sie hin?
Tina Berning: Sie wird das ewige Spiel von Form, Volumen und Linie bleiben.

Globe-M: Danke!

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