Modephotografie: Testino und der Glamour

Am überzeugendsten gerät der Glamour dort, wo die Lüge mit dem Wahren amalgamiert. Besonders Glamourroutiniers wie Mario Testino und Helmut Newton, deren Souveränität im Umgang mit den Gestaltungsmitteln Lässigkeit zuläßt (sic), haben ihre eigenen Obsessionen und biographischen Brüche instrumentalisiert, um sie als Hauch von Perversion oder Verschrobenheit über das gängige Bildschema mit Frauenbeinen, High-Heels und halb durchsichtiger Unterwäsche zu schieben.

Testino schafft neue Stereotypen. Seine Abbildungsgewalt ist eng verknüpft mit dem libidinösen Kern der Modephotografie. Lasziv, immer in Blickweite des Obszönen, formuliert er seine erotischen Traumsequenzen ungeniert über Tableaus körperlicher Makellosigkeit, die fast unerotisch wirkt. Gerade das Glamouröse widersetzt sich einer Fleischlichkeit (…). Der Verlust der Leiblichkeit geschieht im Glamour auf besonders geschmackssichere Art und Weise. Von den Poren der Haut, den Muskeln und Sehnen, der Behaarung der Scham bleibt nichts als deren polierter, geschminkter, retouchierter Schatten.

Marion de Beaupré et al. Archeology of elegance. 1980-2000. 20 Jahre Modephotographie. Schirmer/Mosel. München, 2002.

Kate Moss by Mario Testino


Lara Stone by Mario Testino

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