Love, Loss and What I Wore – Von der Beziehung zur Kleidung

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 15.02.12 bei globe-m

Erinnerungen werden durch vieles wachgerufen: durch den Geruch von Frühling, oder durch einen Geschmack, wie das in Lindenblütentee getunkte Madeleine-Gebäck in Prousts Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Aber auch Kleidung löst Erinnerung aus: Oft ist ein Erlebnis für immer mit einem Kleid, einem Paar Schuhen oder einer Jeans verknüpft.

Cowboystiefel des Grauens oder wie die BH-Verkäuferin mir zu nahe kam

In „Love, Loss and What I Wore“, einem Off-Broadway Stück, erzählen wechselnde Darstellerinnen – darunter Namen wie Rosie O’Donnell, Fran Drescher oder Rumer Willis – ihre Lebens- und Kleidungsgeschichten: die peinliche Beziehung zu einem Cowboystiefel tragenden Muttersöhnchen, der erste BH-Kauf mit der Mutter, die durchs ganze Kaufhaus ruft, während die pubertäre Tochter vor Scham am liebsten im Boden versinken will, oder die patente Unterwäsche Verkäuferin, die von Privatsphäre nicht viel hält, und richtig anzupacken weiß.

Eine Mutter-Tochter Beziehung in Kleidern

Es werden Geschichten wach, an die man sich selbst nur zu gut erinnert, und die meist weiblichen Zuschauer begreifen: Kleidung ist mehr, als nur das, was man trägt. Sie signalisiert nicht nur, wer man ist, sondern auch wer man war. Und sie eint ungemein: die Gespräche von Mutter zu Tochter, Schwester zu Schwester, Freundin zu Freundin laufen, wie es scheint, überall ähnlich ab. Auch die täglichen Modeprobleme muten weltweit gleich an: Der Ärger mit der Handtasche, die wie ein schwarzes Loch allen Inhalt zu verschlingen scheint, und nie die Schlüssel hergeben will, wenn man sie braucht oder die unerklärliche Erfindung von kurzärmligen Rollkragenpullovern, die konsequent die Frage stellen: „Ist mir nun heiß oder kalt?“

Peinliche Erinnerungen aus grauer Vorzeit

Die Kleidungsstücke, die am besten in Erinnerung bleiben, sind doch diejenigen, die eine bestimmte Periode des Lebens, des vergangenen Selbst bezeichnen. Oft sind das leider auch die, die am peinlichsten sind. Das Achtzigerjahre Highschool-Abschlussballkleid in schweinchenrosa mit Petticoat und Puffärmeln ist natürlich für die Amerikanerinnen auf der Bühne eine prägende Erfahrung, doch in jedem Leben bzw. Kleidungsschrank hängen derartige Leichen, über die im allgemeinen lieber geschwiegen wird. Da kommt in so mancher Zuschauerin wieder die Erinnerung hoch an Plateaupumps aus Spice Girls-Zeiten, an die bauchfreien Tops der 1990er und die nörgelnde Mutter, die vor einer Blasenentzündung warnt.

Mode ist in der Tat eine verbindende und globale Erscheinung, und dieses Stück eine sehr aufschlussreiche und unterhaltsame Emotionsachterbahn.

Weitere Informationen

Love, Loss and What I Wore
Daryl Roth Productions
Die Stories basieren auf dem Buch von Ilene Beckerman und wurde von Nora and Delia Ephron für die Bühne aufgearbeitet.
Tickets ab $79.
Westside Theater
407 West 43rd Street
New York

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s