Djuna Barnes – Portrait einer Furchtlosen

Dieser Artikel erschein ursprünglich am 25.02. 2012 bei globe-m

Unter dem Titel Newspaper Fiction: The New York Journalism of Djuna Barnes, 1913–1919, zeigt das Brooklyn Museum derzeit eine Ausstellung über die Ausnahmejournalistin, Autorin und Illustratorin Djuna Barnes, die in New York eine – besonders für eine Frau ihrer Zeit – beispielslose Karriere verfolgte.

In waghalsigen Selbstversuchen ging sie den Geschehen ihrer Zeit auf den Grund; ihre Lebensweise und Ansichten zu freier und gleichgeschlechtlicher Liebe waren ihrer Zeit weit voraus.

Kindheit und Jugend

Barnes kam als zweites Kind eines erfolglosen Komponisten zur Welt, der eine sehr zwanglose Vorstellung von Ehe- und Familienleben hatte. Die Großmutter, selbst Journalistin und Suffragette, versorgte die Familie so gut es ging und unterrichtete die Kinder zu Hause. Djuna Barnes, die von klein auf geholfen hatte, auf ihre Geschwister aufzupassen, begann ein Studium am Pratt Institute, brach dieses jedoch nach einem Semester wieder ab, um die Familie mit ihrem Gehalt als Journalistin zu unterstützen.

Greenwich Village – Bohemiens in New York

New York in der zweiten Dekade des 20. Jahrhunderts war ein Sammelbecken für Bohemiens und Freigeister, die eine Enklave in Greenwich Village bildeten. Dorthin zog es auch Barnes. Sie machte Bekanntschaft mit einigen der interessantesten Vertreter dieser modernen Subkultur, darunter Edmund Wilson, Berenice Abbott, und die Dada Künstlerin Elsa von Freytag-Loringhoven, deren Biografie Barnes zu schreiben begann, aber nie beendete.

Investigativer Journalismus

Sie begann ihre Karriere beim Brooklyn Daily Eagle und machte sich schnell einen Namen als furchtlose Experimentalistin. Als sie von den Hungerstreiks der beiden Suffragetten Alice Paul und Lucy Burns, und deren anschließender Zwangsernährung erfuhr, stellte sie sich zum Selbstversuch zur Verfügung, obwohl sie sich selbst nicht als Suffragette definierte. Ihre Erfahrung dokumentierte sie in einem Artikel für das World Magazine:

„If I, play acting, felt my being burning with revolt at this brutal usurpation of my own functions, how they who actually suffered the ordeal in its acutest horror must have flamed at the violation of the sanctuaries of their spirits.“ She concluded, „I had shared the greatest experience of the bravest of my sex.“
(„Wenn ich, lediglich nachahmend, mein Selbst mit Aufbegehren brennen spürte ob dieser brutalen Inbesitznahme meiner eigenen (Körper-)funktionen, wie müssen die, die tatsächlich diese Behandlung in ihrem eigentlichen Schrecken erlitten haben, entbrannt sein durch die Verletzung des Allerheiligsten ihres Geistes. Ich teile die bedeutendste Erfahrung mit den Unerschrockensten meines Geschlechts.“)

Verbannt ins Abseits

So interessant die Errungenschaften Djuna Barnes’ auch sein mögen, für Besucher oder der Besucherinnen hat der Ausstellung doch einen Wermutstropfen. Sie scheint ungewollt auf die auch heute noch prekäre Situation für Frauen in vielen Berufen hinzuweisen. Durch die Platzierung Barnes’ im „feministischen Flügel“ des Museums wird Barnes nicht als eine Vorreiterin des investigativen Journalismus, sondern als weibliche Kuriosität präsentiert. Mit der Platzierung ihrer Artikel und Zeichnungen an einer Wand gegenüber der Zeittafel bedeutender Frauen der Geschichte, noch dazu schwer auffindbar, wird Barnes unnötigerweise in eine Schublade gesteckt in der sie sich selbst nie sah.

Die Ausstellung ist noch bis 19. August 2012 zu sehen

Brooklyn Museum
200 Eastern Parkway
Brooklyn, New York
11238-6052 Eastern Parkway/Brooklyn Museum

Öffnungszeiten:

Mittwoch: 11:00-18:00 Uhr
Donnerstag: 11:00-22:00
Freitag–Sonntag: 11:00-18:00 Uhr

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