Cindy Sherman im MoMA

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 20. 03. 2012 bei globe-m

Cindy Sherman ist eine der bekanntesten und einflussreichsten Künstlerinnen unserer Zeit. Ihre Fotografien erzielen in Auktionen Rekordpreise, ihre Verwandlungskunst kennt keine Grenzen und die Interpretationsmöglichkeiten ihrer Werke sind beinahe endlos. Derzeit widmet ihr das Museum of Modern Art in New York eine umfassende Ausstellung: über 170 ihrer Werke, von Mitte der 1970er Jahre bis heute.

Bekannt wurde Sherman durch eine Reihe von Schwarzweiß-Fotografien mit dem Titel Untitled Film Stills, 1977-1980, die, wie der Name bereits andeutet, wie Ausschnitte aus Filmen wirken. Das MoMA erstand 1995 alle 69 Aufnahmen der Reihe für eine Million Dollar. Die medial traininerte und auf Filmszenen geschulte Wahrnehmung des Betrachters beginnt bei näherer Betrachtung der Fotografien augenblicklich nach einer Bedeutung zu suchen, oder eine Geschichte, eine Handlung um das Stilleben herum zu spinnen. Ob als junge Frau, die auf den Bett liegt und scheinbar wartet, als Anhalterin oder als Hausfrau: Sherman schlüpft durch Verkleidung und Make-up in die verschiedensten weiblichen Rollen, um jene Reaktionen zu provozieren. Dadurch werden gängige Assoziationen, Klischees und Stereotypen sowohl über Geschlechterrollen, als auch über Bildsprache entlarvt.

Hinterfragen durch Übertreiben

In einigen ihrer späteren Werke, wie ihren History Portraits, beschäftigt sie sich mit der althergebrachten Rollenverteilung in der Kunst, in der der Künstler und somit der Fokus beinahe aller Werke der „alten Meister“ ein männlicher ist, während das Modell traditionellerweise weiblich und häufig enthüllt oder barbusig ist. Sherman zielt auf diese Tradition des Voyeurismus durch geschmacklos anmutende Plastikbrüste und andere übertriebene Requisiten, die mit Traditionen und Konventionen des Gemäldes und der Fotografie brechen.

Auch Modefotografie zählt zu Shermans Repertoire, wenn auch auf angewöhnliche und beinahe unangenehme Art. Um insbesondere die der Modeinszenierung unterliegenden Konventionen sichtbar zu machen, arrangierte Sherman ihre Modelle in Posen, die unvorteilhaft, gar hässlich wirken, und kreierte so eine Antithese zum Glamour der Modebrache. Sie hinterfragt damit die Konventionen der Schönheit und des Hässlichen, und stellt sie als soziale und geschichtliche Konstrukte bloß.

Die New York Times schreibt über Sherman, sie führe einen Krieg mit der Kamera, indem sie sie benutze, um die Tyrannei und das Innenleben der Bilder, insbesondere der Bilder von Frauen, die uns auf Schritt und Tritt verfolgen und bombardieren, aufzudecken. Besser kann man wohl Shermans Werk kaum auf den Punkt bringen.

Weitere Informationen

Die Ausstellung ist noch bis 11. Juni zu sehen.
Museum of Modern Art
11 west 53rd street,
New York, New York.

Öffnungszeiten:

Sa, So, Mo, Mi, Do: 10:30 – 17:30 Uhr.
Di: Geschlossen.
Fr: 10:30 -20:00 Uhr

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