DIA Beacon – ein verstecktes Juwel

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 24. 05. 2012 bei globe-m

Rund eineinhalb Stunden nördlich von New York City, bequem mit dem Zug erreichbar, liegt der kleine Ort Beacon. Ein verschlafenes Nest am malerischen Ufer des Hudson River, ein Fluss, der einer ganzen Gruppe früher amerikanischer Landschaftsmaler Inspiration lieferte. Mit einer kleinen Kirche im Zentrum, die den beiden Konfirmanden des Jahres auf einer Tafel zur religiösen Vollwertigkeit gratuliert, für alle Vorbeifahrenden gut sichtbar.

Minimalistische Kunst im Vorstadtidyll

Beacon wäre ein unspektakuläres amerikanisches Vorstadtidyll, wäre nicht ein Museum der besonderen Art dort beheimatet. DIA:Beacon ist eine der weltweit wichtigsten Institutionen für zeitgenössische Kunst. 1974 gegründet, sollte das Museum in einer ehemaligen Druckerei vor allem Künstlern der 1960er und 1970er Jahre ein Zuhause sein, die in den meisten anderen Häusern unerwünscht waren, weil sie nicht in den vorherrschenden Kanon und die veralteten Kategorien passten.  „Minimalist Art“ ließe sich vielleicht nennen, was in Dia:Beacon ausgestellt ist, doch diese Kunst ist nicht in Schubladen einzuordnen.

Die Frage nach der Deutung 

Sicher ist, der Kunstbegriff eines Laien, der zum ersten Mal mit den Werken von Fred Sandback, Dan Flavin, Richard Serra oder Robert Smithson in Berührung kommt, dürfte sich in etwa so weit ausdehnen, wie das schier endlose ehemalige Fabrikgelände des Museums. So sind auch die Interpretationen der Kunstwerke einem jeden Betrachter selbst überlassen: Glasscherbenhaufen bei Smithson, geometrisch gespannte Fäden im Raum bei Sandback, Lichinstallationen bei Flavin und gigantische Metallgehäuse bei Serra sind genauso bedeutungsschwanger oder –leer wie Negativskulpturen von Michael Heizer oder grau spiegelnde Glasquadrate bei Gerhard Richter.

Erfahrungs- und andere Horizonte

Beeindruckend auch, wie die Kunst und die Architektur der früheren Nabisco Druckerei miteinander verschmelzen. Das Licht, das über die Deckenfenster die Räume durchflutet, ebenso wie die Tintenflecken auf den alten Holzdielen scheinen Teil der Kunst zu sein, scheinen sie mit Geschichte anzureichern und deren Grenzen noch ein Stück weiter zu verschieben. Ein Ausflug in die ungewöhnliche Welt von DIA:Beacon belohnt und fordert das Auge und den Geist zugleich. So erweitert der New Yorker, oder der Großstadturlauber, mit diesem Ausflug nicht nur seinen geografischen, sondern auch seinen Erfahrungshorizont.

Weitere Informationen

3 Beekman Street,
Beacon, NY 12508
www.diaart.org

Öffnungszeiten:

Januar–März: Fr–Mo 11:00 – 16:00 Uhr
April–Oktober: Do–Mo 11:00 – 18:00 Uhr
November–Dezember: Do–Mo 11:00 – 16:00 Uhr

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