1+1=3. Modekooperationen und ihre Ergebnisse

Dieser Artikel erschien ursprünglich 2012 bei Modabot.de
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Das Kooperationskarussell dreht sich weiter: Who’s next?

Vor nicht allzu langer Zeit berichteten wir über den Blog Fashematics, der Runway-Looks auf gewitzte Weise in ihre Bestandteile aus Popkultur und Produkten aufdröselt.
Auch Modelabels haben schon lange die Macht der Addition verstanden, und suchen sich geeignete Partner für Kooperationen in Designern oder sogar modefremden Kreativen und Celebrities. H&M, Target und Topshop machen schon seit langem vor, wie doppelte Designpower auch die Medienwirksamkeit multipliziert und Umsätze vervielfacht.
Kooperationen ergeben mehr als die Summe ihrer Einzelteile, sowohl im Designoutput als auch in der finanziellen Bilanz. Hier eine Auswahl zur Frage: welche Gleichungen gingen auf, und weshalb sich die Rechnerei lohnt.

Adidas Originals X Jeremy Scott (2003-heute)
Adidas, der weltgrößte Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach und Jeremy Scott, der exzentrische Modedesigner aus Kansas City, haben neben einer uncoolen Geburtsstätte wenig gemeinsam. Gerade deshalb läuft vielleicht ihre Kooperation seit 2008 so gut.
Scott ist bekannt für seine schreienden Kreationen, stattet regelmäßig Popstars für Videos oder Shows aus – Britney Spears, Lady Gaga, Katy Perry und selbst Miss Piggy zählen zu seinen Kundinnen – Adidas hilft Sportlern zu Höchstleistungen und kooperiert gerne mit Avantgarde Labels.
Gegensätze ziehen sich eben tatsächlich an. Scott’s unverkennbar kitschig-knallige Handschrift und die drei Streifen machen ein gutes Team.

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United Nude X Iris van Herpen (2009-heute)
United Nude ist an sich schon ein ziemlich cooles Schuhlabel, welches Architektur mit Mode vereint. Die Gründer sind ein niederländischer Architekt und ein englischer Schuhmacher in der 7. Generation – man kann also getrost sagen, United Nude ist der Intellektuelle unter den Avantgardeschuhen, vereint mit Traditionshandwerk.
Nun sucht sich das Label aber auch noch junge Designtalente wie Iris Van Herpen, der Königin der skulpturellen Mode oder Mattijs van Bergen, dem, laut ELLE Holland, “Kronprinzen der holländischen Mode”.
Heraus kommen dabei Schuhkreationen wie von einer anderen Welt, namens “Synesthesia”, “Crystallization” oder “Fang”.
Iris Van Herpen, der beste Fang für United Nude.

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Louis Vuitton X Artists Collaborations (2001-heute)
Marc Jacobs ist selbst ein eifriger Kunstsammler, und seine Leidenschaft für moderne Kunst schlägt sich auch in seinen Designs für den französischen Luxusartikelgiganten Louis Vuitton nieder. 2001 kollaborierte das Label mit Graffiti-Künstler Stephen Sprouse, 2003 folgte Takashi Murakami, dem japanischen superflat-Künstler, dessen naiv-kindlich wirkende Ästhetik die Grenzen zwischen “high” und “low” art verwischt.
Der neueste Coup ist die Zusammenarbeit mit Yayoi Kusama, einer japanischen Künstlerin, die in der Pop Art beheimatet ist, ein wiederkehrendes Erkennungsmerkmal in Kusamas Werk sind Polka Dots, allerdings nennt sie diese “infinity nets”.

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Die Beispiele weiterer Kooperationen sind zahllos, und meist bringen sie beiden Beteiligten einen Zuwachs an medialem Interesse, neuen Kunden, die sie anderweitig nicht erreichen können, sowie zusätzlichen Umsatz.
H&M beispielsweise erreichte eine 23% Gewinnsteigerung vor Steuern im Frühjahr 2012, das unter anderem die Marni-Kollektion beinhaltete.
Welche zusätzlichen Beträge bei diesen Deals die Konten wechseln, was also ein Adidas einem Jeremy Scott, oder ein Louis Vuitton einer japanischen Künstlerin bezahlt, lässt sich so einfach nicht herausfinden und ist vermutlich durch Verschwiegenheitserklärungen geklärt.

Fest steht, die Gagen steigen mit anhaltendem Erfolg des Konzepts. Karl Lagerfeld und Stella McCartney sollen 2005 jeweils etwa $1 Million für ihre Dienste bei H&M erhalten haben, Madonna in 2007 bereits 4 Mio. Dollar – die Kollektion brachte dem schwedischen Modekonzern ca. 20 Millionen ein.
Dabei ist die Werbe- und PR-Wirkung für beide Beteiligten noch nicht berücksichtigt. Eine New Yorker Luxusgüter-Research-Firma berechnete beispielsweise den Werbewert der Kooperation zwischen Target und McQ, dem günstigeren Unterlabel von Alexander McQueen im Jahr 2009: 2,1 Millionen war deren Mini-Kollektion an Anzeigenkosten wert.

Kooperationen können Gewinne, Image und Karrieren boosten, sie können diese aber auch besiegeln und stellen für beide Seiten ein Wagnis dar. Isaac Mizrahi, der von 2003 bis 2008 mit Target gemeinsame Sache machte, sagte in einem Interview mit dem Wall Street Journal zu dem Thema: “You’re not selling out, you’re reaching out.”
Eine Gratwanderung ist das allemal – wenn auch Mizrahi zu dem Zeitpunkt seiner Kollaboration nicht mehr viel zu verlieren hatte. Der Designer muss seine Handschrift massentauglich umgestalten und mit niedrigerer Materialqualität umgehen.
Ist er zu nahe an seinem Benchmark, so läuft er Gefahr dieses Alleinstellungsmerkmal seiner eigenen Marke zu entwerten. Ist er zu weit davon entfernt, kann es sein, dass die Kooperation nicht die geplanten Umsätze erzielt. Auch für den Retail-partner kann die gemeinsame Reise also potenziell aufs Glatteis führen. Bisher scheint dies aber ausgeblieben zu sein, die Zusammenarbeitsmaschinerie läuft ungebremst weiter.
Als nächstes stehen Anna Dello Russo und Margiela auf der Discount-Einkaufsliste bei H&M.

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