Leigh Bowery – der Körper als Leinwand

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 27. 12. 2012 bei globe-m

Leigh Bowery sträubt sich gegen Kategorisierung. Das Leben des exzentrischen Performancekünstlers, Club-Kids, Transvestiten, Aktmodells und Kostümdesigners entzieht sich jeglicher konventioneller Einordnung.

Bowery, der seinen Körper als Leinwand betrachtete, war vielleicht am ehesten selbst ein Kunstwerk.

Der üppige Körper als Werkzeug

Der 1961 im Australien geborene Bowery kam in den 1980ern nach London und mischte dort die Clubszene auf, indem er sich mit Kostümierung immer wieder neu erfand. Doch für Bowery war sein Körper nicht nur Leinwand und Schneiderbüste, auch Werkzeug. Dabei machte er vor der Oberfläche nicht halt: Ob er sich Plastiklippen mit Sicherheitsnadeln durch die Wangen piercte oder seine überschüssigen Pfunde modellierte. Während andere Drag-Künstler versuchen, ihre Unzulänglichkeiten und Makel hinter einer Verkleidung zu verstecken, betonte Bowery seine Fülligkeit. So meinte er einmal: „Weil ich füllig bin, kann ich mein Fleisch über meine Brust falten und es mit Gaffer-Tape befestigen … so entsteht der Eindruck, als hätte ich eine Brust von sechs Zoll Dekolleté.“

Schockieren und Provozieren als Kunstform

Bowery wollte bewusst schockieren, gesellschaftliche Tabus brechen. Seine Performancekunst beinhaltete stets Elemente, die den Zuschauer unangenehm trafen: Geschlechteruneindeutigkeit, Fetischelemente, Piercings, die an Selbstverstümmelung grenzten, sollten die Betrachter an ihre Akzeptanzgrenzen bringen. Gleichzeitig wollte Bowery seinen eigenen Körper unter Kontrolle bringen, mit seiner Andersartigkeit klarkommen. Er sagte einmal, er fühle sich, als ob sein Körper nicht vollständig ihm gehöre, sondern seinen Eltern, vielleicht der Regierung. Durch seine Aktionen gelang es ihm, eine engere Beziehung zu seinem Körper herzustellen. Auch wollte er gegen Normen und Idealbilder kämpfen, die Aussehen standardisieren, Schönheit numerisch messbar erscheinen lassen und „richtiges“ Verhalten abhängig vom biologischen Geschlecht definieren.

Nachdenklichkeit unter der Oberfläche

Fotografien von Nick Knight und Fergus Greer, Filme von und Gemälde von Lucien Freud, für den Bowery mit seinen üppigen Körperformen ein Lieblingsmotiv darstellte, zeigen die verschiedenen Facetten Leigh Bowerys. Neben Kunstwerken und Kostümen sind auch sehr private Zeugnisse Bowerys in der Ausstellung zu sehen. So zeigen seine Tagebucheinträge einen nachdenklichen, selbstsicheren Menschen, der seine Umwelt genau analysierte.

Weitere Informationen

Die Ausstellung läuft noch bis 3. Februar.
Kunsthalle Wien im Museumsquartier,
Museumsplatz 1,
1070 Wien

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